TANZCAFÉ TREBLINKA von Werner Kofler
2 H, 1 Dek.
Stück
UA: Theater Klagenfurt, 2001, Regie: Vera Sturm
Neuproduktion: Wien, Nestroyhof Hamakom, Regie: Fréderic Lion, ab 26.01.2010
Kritiken der Klagenfurter Uraufführung:
„NICHTS GEHÖRT UND NICHTS GEWUSST HABEN WOLLEN. Da kommt ein älterer »A«
nicht los von »genussvollen Abenden in entbehrungsreicher Zeit«, vom unvergesslichen
»Einsatz im Osten«. Er spricht auf den jüngeren »B« ein, der erst nicht reagiert auf die
grausigen Details aus dem Vernichtungslager Treblinka, der noch nie etwas gehört
haben will von Sonderkommandos, »nichts gewusst haben wird« von den Heldentaten
seiner Vorfahren, wie der Ältere im grausam leiernden Futurum exactum höhnt. ...
So wird dieses Sprechstück zu einer überdimensionalen Todesfuge, bohrende und
hämmernde eineinhalb Stunden lang und doch keine Minute zu viel.“ NZZ
„AUF DEM PARKETT DES „TOTEN WISSENS“. Ein hochbrisanter, hochinteressanter
Monolog für zwei Schauspieler ... Ein literarisches Rondo, in dem zunächst verschämt, dann
eifrig, aber ohne etwas zu verraten, hochkommt, was im Schlusssatz aggressiv abgewiesen wird:
Nichts gewusst! Nie gehört! ... Trotz der lokalen Bezüge ein Stück von überregionaler Tragweite.
Ein Pflichtprogramm.“ KLEINE ZEITUNG KÄRNTEN
Wiener Produktion:
„Stakkato des Grauens im "Tanzcafe Treblinka"
2001 wurde am Stadttheater Klagenfurt Werner Koflers "Tanzcafe Treblinka" uraufgeführt. Jetzt feierte das Stück über
den an der Judenvernichtung beteiltigten SS-Mann Ernst Lerch, der in Klagenfurt das beliebte "Tanzcafe Lerch" leitete,
in Wien Premiere.
KZ Auschwitz-Birkenau vor 65 Jahren befreit Heute vor 65 Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau befreit.
Zeitzeugen gibt es befreit. Die Zeitzeugen werden immer weniger und auch die Täter sterben aus. 1997 etwa starb der
als Mitarbeiter von Odilo Globocnik an der Judenvernichtung beteiligte ehemalige SS-Mann Ernst
Lerch.
In Anlehnung an diese historische Figur schuf der Kärntner Autor Werner Kofler sein "Tanzcafé
Treblinka“. Das "Sprechstück mit Musik" wurde am Dienstag im Wiener Theater "Nestroyhof
Hamakom" wieder aufgeführt.“
Kommandant: "Schöne Zeiten in Treblinka"
In den präsentierten Erinnerungen schwingt jene Anekdotenhaftigkeit mit, die man sich gut auf dem Ulrichsberg an anderen
spezifischen Gedenkorten beheimatet vorstellen kann. Als Sprech-Stakkato gegen das Vergessen und Verdrängen ließe sich
der 80-minütige Abend noch eindringlicher, unerbittlicher denken, doch jene Momente, die wirklich unter die Haut gehen,
kommen aus der dem Schrecken innewohnenden Idylle.
Jene heiter erzählte Geschichte einer durch Verwesungsvorgänge buchstäblich überquellende Leichengrube etwa, oder
der Titel des bei Kurt Franz gefundenen Fotoalbums über seine Zeit als Treblinka-Kommandant: "Schöne Zeiten". ORF
Tanzcafé Treblinka – Geschlossene Vorstellung von Werner Kofler ist auch als Buchausgabe im Deuticke Verlag, Wien,
erschienen und wurde international u.a. in der Times positiv besprochen. Die Aufführungsrechte liegen bei
stückgut Bühnen- u. Musikverlag, München.